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Abb.: Rita Horn
CC BY-SA 4.0
Rechteinhaber: Friedrich-Schiller-Universität Jena
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Pferdepyxis

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Beschreibung

Die aus vielen Fragmenten zusammengesetzte Pyxis (runder Behälter, meist Büchse mit Deckel) mit einem Pferdepaar als Griff auf dem Deckel ist ein typisches Gefäß der mittel- und spätgeometrischen Zeit in Athen. Die meisten der uns erhaltenen Pyxiden dieses Typs, der sich durch flächigen geometrischen Dekor auf Gefäßkörper und Deckel sowie ein bis vier Pferde als Griff auf dem Deckel auszeichnet, wurden im Athener Kerameikos und den angrenzenden Gebieten gefunden und stammen aus Gräbern. Ging man in der älteren Forschung davon aus, dass es sich bei den Pferdepyxiden um eine typische Beigabe in Männergräbern handelte, weiß man heute, dass sie überwiegend als Beigaben für Frauen bevorzugt wurden. Meist kommen sie im Grab zusammen mit weiteren Pyxiden sowie Kochgeschirr, Kalathoi (Arbeitskörbe der Frauen), Spinnwirteln oder Schmuck vor. Viele der Pyxiden wurden allerdings schon auf dem Scheiterhaufen mit dem Toten verbrannt und wurden in der Brandschüttung gefunden. Was die Pyxiden enthielten, wissen wir nicht. Die Stelle, an der man sie im Grab deponiert hat - meist in der Nähe des Kopfes oder der Hände des Toten - weist allerdings darauf hin, dass ihr Inhalt eine große Bedeutung für den Verstorbenen im Jenseits besaß. Das Jenaer Exemplar besitzt an beiden Seiten Löcher, durch die man Fäden ziehen und das Gefäß mit dem Deckel fest verschließen konnte. Die plastisch auf dem Deckel aufgesetzten Pferde sind zwar stark ergänzt, dennoch sieht man deutlich die Reste der Bemalung, die z.T. das Pferdegeschirr wiedergeben. Die Schirrung macht deutlich, dass hier nicht Reitpferde, sondern ein Gespann gemeint ist. Die übliche Anzahl ist - wie bei dem Jenaer Stück - zwei, es kommen aber auch drei oder vier Pferde vor, die nach neueren Forschungsmeinungen als Renngespann (Zweispänner mit ein oder zwei Beipferden) interpretiert werden. Leider wissen wir über die gesellschaftlichen Strukturen der geometrischen Zeit in Griechenland nur wenig, doch sind die Pferde wohl als eine Art Statussymbol einer gesellschaftlichen Klasse zu verstehen, die ihren Reichtum aus dem Besitz von Rennpferden ableitet. Die repräsentative Pyxis im Grabinventar einer Frau, zu dem vermutlich auch das Jenaer Stück gehörte, könnte die Zugehörigkeit zu einer solchen Gesellschaftsschicht und damit die Bedeutung der Verstorbenen versinnbildlichen. Die Jenaer Pferdepyxis, die der sog. Filla-Werkstatt bzw. der Werkstatt von Tübingen 1087 zugeschrieben wird, wurde zusammen mit einem Komplex ägyptischer, attischer, böotischer und korinthischer Gefäße sowie einem bronzezeitlichen Idol aus Zypern im Jahr 1912 durch den Jenaer Archäologen Botho Graef von dem Pariser Antikenhändler Chr. Psychas erworben und war Bestand des 1846 gegründeten Archäologischen Museums der Friedrich-Schiller-Universität. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bemühte man sich vor allem um Ergänzung der Sammlung mit Objekten aus der Bronzezeit oder der geometrischen Zeit.

(Dennis Graen)
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